Das Supermann-Syndrom

 

 

Wer oder was ist eigentlich ein Held? Die publizistischste und Verbreiteste Auffassung ist wohl die des jungen Mannes, der heroisch sich in Abenteuer stürzt und sowohl die Welt, als auch die Liebe seines Lebens (meistens eine Frau) rettet. Das ist die A-Typische Geschichte, die wir bei Superman, Spiderman, Batman und sämtlichen anderen Heldenfiguren der modernen Geschichte beobachten. Aber auch bei Siegfried ist dieses Phänomen zu beobachten. Und auch bei asiatischen Heldengeschichten, von denen kenne ich zwar keine Namen mehr, aber auch diese Geschichten habe ich früher gerne gelesen. Die Frage, die sich stellt, ist, warum macht ein Superheld das, was er macht?

Natürlich könnte man jetzt sagen, Gott hat die Welt erschaffen, es ist die Bestimmung eines Superhelden für das Gute zu kämpfen, oder vielleicht macht er es sogar aus Nächstenliebe. Glaub ich aber nicht. Ich weiß nur, was der Mensch macht. Und der Mensch versucht sich selbst zu verstecken, schafft sich seine Welt, in der er von allen Bewundert wird. Er flüchtet sich in andere Realitäten, stellt sich aber nicht seinen eigenen Problemen, macht sogar andere dafür verantwortlich (zur Verdeutlichung: Der Mensch schuf Gott als Vorbild und im Gegensatz dazu den Teufel. Beide kann man für seine Taten verantwortlich machen. Die Liste dieser Beispiele lässt sich endlos weiterführen. So geben die wenigsten Politiker zu, dass ihre Politik falsch war, es waren immer die Anderen, die sich nicht richtig verhalten haben. Ich glaube, jeder von euch weiß, dass es immer einfacher ist, jemand Anderen für seine Taten verantwortlich zu machen, als sich selber Fehler einzugestehen. Und auf der anderen Seite schmücken sich Einige von uns auch mit fremden Lorbeeren. Das soll jetzt kein Vorwurf sein, ich kann verstehen, warum es getan wird und ich finde es definitiv nicht schlimm.). Also können wir davon ausgehen, dass auch Superhelden sich vor sich selbst flüchten. Objektiv gesehen ist das ja nur menschlich. Superheld sein ist vielleicht sogar noch viel mehr als nur Flucht vor sich selbst und Angst vor der eigenen Identitätsfindung. Superheld sein ist auch eine Sucht. Offensichtlich sehen wir das in jedem großen Kinofilm von Batman, Spiderman etc. Jeder Superheld sagt irgendwann (meistens nach dem Ende des 1. Films), dass er seine wahre Liebe gefunden hat und mit ihr für immer zusammenleben will. Doch dann findet er den Weg zurück zum Adrenalin, zu seinem Kostüm, zu seiner Exklusivität, Berühmtheit und (angeblicher) Einzigartigkeit.Wahrscheinlich wird er danach nie wieder fähig sein, diese Rolle zu verlassen und wieder „normal“ zu werden. Und genau deshalb sind es nicht die Superhelden, die bewundert werden sollten. Wir sollten vielmehr versuchen, ihnen zu danken, indem wir ihnen helfen. Ich will mir nicht anmaßen, irgendeine Konfliktlösung vorzugeben, denn im Endeffet bin ich auch nur ein ganz normaler Mensch. Und als ganz normaler Mensch finde ich es wichtig, nicht irgendwelchen Hirngespinsten hinterher zu jagen, sondern zu sehen, wie man sich selber helfen kann und sich zufrieden und ehrlich gegenüberstehen kann.

(c) Carl-Justin Schröfel

20.10.07 16:23

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